Miau, wann war dein letzter 

Schreibtisch-Quickie?

Wie süß wäre es, wenn eine kleine, schwarz-weiß gefleckte Katze dich mit schief gelegtem Köpfchen anschaut, um deine Beine streicht und dabei sanft schnurrt?
Oder würde der braun gebrannte, muskulöse Mitdreißiger mit nassem, weißem Shirt und Jeans aus der Werbung dir besser gefallen?
Sex- und Katzenvideos wirken nach wie vor magisch auf uns. Chat GPT sagt, bei Katzenvideos liegt das daran, dass uns die unbeschwerte, verspielte Art der niedlichen Tiere von unserem Alltag ablenkt.  Sexvideos üben eine körperliche Anziehung auf uns aus, weil sie ein grundlegendes, menschliches Bedürfnis und eine wichtige Facette des Lebens zeigen, erläutert  mir die KI weiter. Frage ich, warum Menschen sich für das Thema "Schreiben" interessieren, ist nicht nur die künstliche Intelligenz zurückhaltender...

Schade. Schließlich können sich auch bei schriftlicher Betätigung sowohl Quickie, als auch Romanze und Langzeitbeziehung ergeben. Außerdem werden im Aufschreiben unserer Gedanken fix die unterschiedlichsten Facetten des Lebens sichtbar und unser Alltag wird durch das Verschriftlichen unserer Träume und Befürchtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Nu ein bißchen leichter. Einmal zu Papier gebrachte Überlegungen wirken intensiv nach. Beim Konsumieren von Reels und Co. ist das selten der Fall. So einfach das Scrollen von Video zu Video ist, so schnell vergessen wir die Inhalte auch wieder. "Miau" oder "Ohhhh & Ahhhh?", ich erinnere mich selten daran, was ich vor einer Stunde angeschaut habe, weiß aber sofort, zu welchem Thema ich gestern etwas aufgeschrieben habe.
Machen dir meine Argumente Lust, die sexiest sides of writing selbst auszuprobieren?

Für schriftliche Quickies lassen sich flott zahlreiche Varianten finden. Vom Einkaufszettel, über die To-Do- oder (mindestens genauso sinnvoll: die Not-To-Do Liste) bis zur Glückwunschkarte ist jede Begegnung von Stift und Papier ein kleiner, alltäglicher Schreibflirt. Mit Auswirkungen auf Freundschaften, echte Lieben oder die schnöde Tagesorganisation. Je nachdem, zu welchem Zweck Schreibwerkzeuge und faserhaltige Papeterie zum Einsatz kommen.

Als Romanze bezeichnet man eine leidenschaftliche Beziehung, die zwischen wenigen Wochen und ein paar Jahren dauert. Mit Stift und Papier erleben Menschen ähnlich langanhaltende Verbindungen, wenn sie ein eigenes Buch, (egal zu welchem Thema oder Genre) verfassen oder Eintragebücher in Form von Glücks- oder Dankbarkeitstagebüchern nutzen.
Für Liebesromanzen scheinen wir besonders offen, wenn es uns gerade nicht gut geht. In diesen Zeiten sind auch Bücher, die unseren Blick auf schöne Dinge lenken, besonders wirkungsvoll. Obwohl es sich im ersten Moment etwas lahm anhört: wer sich an trüben Tagen dazu aufrafft, positive Momente bewusst zu notieren, darf gefühlsechte Auswirkungen im allerbesten Sinn erwarten. Einfach mal drei Tage ausprobieren und schon schärft sich der Blick dafür, dass nicht alles mies ist. Peu à peu verändert das Aufschreiben die Wahrnehmung & die Zuversicht wächst.

Eine Mischung aus täglichem Quickie und jahrelanger Romanze sind 5 Lines A Day Chroniken. Die Bücher bieten jeden Tag fünf Zeilen für eigene Notizen. Auf jeder Seite ist genug Platz, um fünf Jahre lang jedes Jahr am gleichen Tag dort eine Eintragung zu ergänzen. Wer das fünf Jahre durchzieht, stellt sich selbst einen Schatz an Erinnerungen zusammen, der Vergleichsmöglichkeiten gibt, Ideen weckt und aufregende Möglichkeiten bietet, wie z.b. eine erneute, beflügelnde Affäre mit dem Ort, an dem man heute vor drei Jahren schon einmal war.

Von Langzeitbeziehungen kann man im zwischenmenschlichen Bereich bei einer durchschnittlichen Ehe sprechen. Die hat laut statistischem Bundesamt im Jahr 2022 schließlich 15,1 Jahre gedauert. So lange dauert beim schriftlichen Verkehr zugegebenermaßen nur die  Beziehung von beruflich Schreibenden, wie Autoren und Journalisten sowie die von äußerst emsigen Tagebuchschreibern. Virginia Woolf, Leonardo da Vinci, Anne Frank und Marie Curie sind einige berühmte Beispiele, die die Kraft des täglichen Notierens ihrer Gedanken aus den unterschiedlichsten Gründen schätzten. 
Nicht ganz so berühmt, aber nicht weniger lesenswert sind die Tagebücher von mehr als 20.000 Menschen, die in Emmendingen im Tagebucharchiv aufbewahrt werden. Wow, bzw. wau/miau, für die tierisch tolle Initiative, um dem wirkungsvollen Schreiben mehr Raum zu geben. 

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